Altersvorsorgedepot 2027: Anbieter, Kosten & Frühstart-Rente

Von /Zuletzt aktualisiert: 25.10.2026/

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab 1.1.2027 löst das Altersvorsorgedepot Riester ab: bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr.
  • Für das Standarddepot gilt ein Kostendeckel von 1 % pro Jahr, mehrere Anbieter wollen 0–0,15 % verlangen.
  • Erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt, die Details solltest du prüfen.
  • Frühstart-Rente: 10 € pro Monat und Kind (6–18 Jahre), Bundesratszustimmung stand am 20.10.2026 noch aus.
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Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente als staatlich geförderte private Vorsorge ab. Der Staat zahlt bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, bei Riester waren es maximal 175 €. Dazu kommen Kinderzulagen und ein einmaliger Bonus für Berufseinsteiger. Erstmals können auch Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung gefördert werden.

Entscheidend für das Ergebnis sind die Kosten. Für das gesetzliche Standarddepot gilt ein Deckel von 1 % pro Jahr, inklusive der internen Kosten von Fonds und ETFs. Mehrere Anbieter wollen ihn deutlich unterbieten, teils mit Preisen zwischen 0 und 0,15 % pro Jahr. Doch viele dieser Zusagen sind befristet oder an Bedingungen geknüpft. Über 37 Jahre können die Kosten fünfstellige Beträge ausmachen.

Parallel dazu soll die Frühstart-Rente kommen: 10 € pro Monat und Kind vom Staat. Der Bundestag hat sie am 16.10.2026 beschlossen, die Zustimmung des Bundesrats lag bis zum 20.10.2026 nicht vor. In diesem Ratgeber erfährst du, wie die Förderung funktioniert, was die Anbieter bislang angekündigt haben, was die Rechenbeispiele wirklich aussagen und wie du vorgehst. Alle Angaben haben den Stand Oktober 2026.

Hintergrund: Was sich ab 2027 ändert und was mit Riester passiert

Das Altersvorsorgereformgesetz wurde am 29.05.2026 im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 156). Der Bundestag hatte es am 27.03.2026 beschlossen, der Bundesrat stimmte am 08.05.2026 zu. Einige Quellen nennen abweichende Daten, die Primärquellen belegen aber diese Termine. Nach dem Regierungsentwurf traten bestimmte Artikel am 1.1.2027 in Kraft, der Rest bereits am Tag nach der Verkündung. Für dich heißt das: Ein Altersvorsorgedepot lässt sich frühestens ab dem 1.1.2027 eröffnen, vorher kannst du dich bei Anbietern höchstens vormerken lassen.

Im Kern ist das Altersvorsorgedepot ein Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung. Du zahlst ein, der Staat legt Zulagen obendrauf, und das Geld wird in Fonds oder ETFs angelegt. Anders als bei klassischen Riester-Verträgen ist eine Beitragsgarantie nicht mehr verpflichtend. Wer sie möchte, kann optional Garantieprodukte mit 80 oder 100 % wählen. Das erhöht die Renditechancen, bedeutet aber auch, dass du Kursschwankungen aushalten musst.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Bestehende Riester-Verträge laufen laut Faktenlage weiter. Ob und zu welchen Bedingungen ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot möglich ist, wird in Sekundärquellen als möglich beschrieben. Wir haben die genauen Regeln hier nicht am Gesetzestext geprüft. Kündige deshalb keinen Vertrag, bevor du bei deinem Anbieter schriftlich die Kosten und möglichen Verluste eines Wechsels erfragt hast. Besonders bei Verträgen mit Garantien oder hohen Zulagenansprüchen kann ein überstürzter Wechsel teuer werden.

Die Förderung: So viel Zulage bekommst du

Die Grundzulage ist gestaffelt: 50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag und 25 % auf den Teil zwischen 360,01 und 1.800 €. Gefördert werden Einzahlungen bis 1.800 € pro Jahr. Wer 1.800 € einzahlt, bekommt also 180 € + 360 € = 540 € Zulage. Mindestens musst du 120 € pro Jahr einzahlen, also 10 € im Monat, um die Zulage zu erhalten. Zusätzlich gibt es bis zu 300 € Kinderzulage pro Kind und Jahr, die ab 300 € Eigenbeitrag voll gezahlt wird. Unter-25-Jährige, die erstmals abschließen, erhalten einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus.

Insgesamt kannst du bis zu 6.840 € pro Vertrag und Jahr einzahlen. Über die geförderten 1.800 € hinaus sind das bis zu 5.040 € ungefördert. Dieser Teil bringt keine Zulage, profitiert aber von der steuerfreien Ansparphase (mehr dazu unten).

Lebenslage (Annahmen) Eigenbeitrag/Jahr Zulage Förderquote
Berufseinsteigerin, 24, erstmals Vertrag, 10 €/Monat 120 € 60 € Grundzulage + 200 € einmaliger Bonus = 260 € im ersten Jahr rund 217 % im ersten Jahr
Angestellter, 1.800 € Eigenbeitrag 1.800 € 540 € 30 %
Familie mit 2 Kindern, 1.800 € Eigenbeitrag, volle Kinderzulage 1.800 € bis zu 540 € + 2 × 300 € = bis zu 1.140 € bis zu rund 63 %

Die Zeile zur Familie ist eine Höchstbetrachtung: Welche Voraussetzungen für die Kinderzulage im Einzelfall gelten, solltest du vor dem Abschluss beim Anbieter oder in den BMF-FAQ prüfen. Auch der Bonus für Berufseinsteiger hängt von den gesetzlichen Bedingungen ab. Die Prozentwerte sind einfache Quotienten aus Zulage und Eigenbeitrag, ohne Steuereffekte.

Rechenbeispiel Angestellter: 150 € im Monat

Nimm an, ein Angestellter zahlt 150 € im Monat ein, das sind 1.800 € im Jahr. Er erhält die volle Grundzulage von 540 €, das sind 45 € pro Monat. Von den insgesamt 2.340 € jährlich, die im Depot ankommen sollen (vor Kosten), kommen also rund 23 % vom Staat. Die Zulage ist damit ein erheblicher Zuschuss zu deinem Sparbetrag. Sie ist aber an die Laufzeit gebunden: Du bekommst das Geld erst in der Auszahlungsphase und kannst nicht beliebig darauf zugreifen.

Zum Vergleich ein Minimalbeispiel der ING: Ein 30-Jähriger zahlt 37 Jahre lang nur 10 € monatlich ein (4.440 € eigene Einzahlung). Dazu kommen 60 € Zulage pro Jahr (2.220 €). Bei angenommenen 5 % nach Kosten ergibt das mit 67 rund 18.310 €. Das ist eine Anbieterrechnung unter Annahmen, keine Prognose. Sie zeigt aber, dass sich selbst kleine Beträge durch die Zulage von 50 % in den ersten 360 € deutlich verbessern.

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Kosten: Der 1-%-Deckel und warum 0,1 % einen Unterschied machen

Der Kostendeckel für das Standarddepot liegt bei maximal 1,0 % pro Jahr, inklusive der Produktkosten von Fonds und ETFs. Im Gesetzgebungsverfahren wurde er von ursprünglich 1,5 % gesenkt. Bei Riester lagen typische Kosten bei 1,5 bis 2,5 % pro Jahr. Der Deckel gilt aber nur für das Standarddepot. Frei gestaltete Depots, aktiv gemanagte Individualprodukte und Garantieprodukte dürfen teurer sein.

Finanzlexikon

Standarddepot

Das Standarddepot ist die gesetzlich definierte Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Für sie gilt ein Kostendeckel von 1 % pro Jahr inklusive der Kosten von Fonds und ETFs. Andere Produkte im Rahmen der geförderten Vorsorge dürfen teurer sein.

Wie stark sich Kosten auswirken, zeigt eine Rechnung von Finanztip: 150 € pro Monat über 37 Jahre (66.600 € Einzahlung) bei 6 % Rendite vor Kosten. Zulagen, Steuern und Kursschwankungen sind dabei nicht eingerechnet.

Jährliche Kosten Depotwert nach 37 Jahren (rund) Differenz zu 0,2 %
0,2 % 225.000 € –
1,0 % 187.000 € rund 38.000 € weniger
1,5 % 167.000 € rund 57.000 € weniger

Auf einen Blick: Nach dieser Modellrechnung liegt der Depotwert bei 1,0 % Kosten rund 38.000 € unter dem Wert bei 0,2 % Kosten. Das ist keine Garantie, sondern ein Modellergebnis unter den genannten Annahmen.

Was die Kostenquoten in Euro bedeuten

Prozentzahlen wirken abstrakt. Eine einfache Stichtagsrechnung: Bei einem Depotwert von 20.000 € kosten 1,0 % pro Jahr 200 €, 0,15 % kosten 30 € und 0,07 % kosten 14 €. Der Unterschied zwischen Deckel und günstigen Anbietern beträgt dann 170 € im Jahr, und weil das Geld nicht mitarbeitet, das du als Kosten zahlst, summiert sich der Effekt über Jahrzehnte.

So haben wir gerechnet

Die Zulagenrechnungen basieren auf den gesetzlichen Staffeln aus dem Faktenblatt: 50 % auf die ersten 360 €, 25 % auf 360,01 bis 1.800 €. Für 1.800 € Eigenbeitrag: 360 € × 0,5 = 180 €, plus 1.440 € × 0,25 = 360 €, zusammen 540 €. Die Kostenbeispiele in Euro sind Stichtagsrechnungen (Depotwert × Kostensatz). Die Langfristwerte von 225.000, 187.000 und 167.000 € stammen von Finanztip (150 € pro Monat, 37 Jahre, 6 % vor Kosten). Eigene Prognosen haben wir nicht erstellt.

Anbieter im Überblick: Was bekannt ist (Stand Oktober 2026)

Der Preiskampf läuft bereits, bevor das erste Depot eröffnet werden kann. Die Zertifizierung ist noch nicht für alle Anbieter abgeschlossen, und viele Zusagen sind befristet oder nicht vertraglich garantiert. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was öffentlich angekündigt wurde. Sie ist keine Empfehlung, und die Konditionen können sich bis zum Start ändern.

Anbieter Angekündigte Kosten Haken / Bedingungen
Scalable Capital (Preisblatt 09.10.2026) Depot, Sparplan, Ein- und Auszahlung kostenlos; ETF-Kosten entfallen bis mindestens Ende 2027 Danach sollen die Kosten höchstens 0,15 % p. a. betragen
Trade Republic (13.10.2026) Keine Depot- oder Sparplangebühren; Produktkosten bei mehreren Dutzend ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard übernimmt der Broker Langfristiges Versprechen ohne Enddatum und ohne vertragliche Zusage
Deka / Sparkassen (ab Januar 2027) Standarddepot mit Deka-ETF: 0,1 % Effektivkosten p. a.; Depot und Zulagenverwaltung kostenlos Aktiv gemanagtes Individualprodukt: 1,0–1,5 %
Smartbroker+ Erstattung der ETF-Kosten im Standarddepot drei Jahre lang Begrenzt auf 25.000 € Anlagevolumen; ab Jahr 4 mindestens 15 Trades pro Kalenderjahr im Hauptdepot; im freien Depot keine Erstattung
quirion Zwei Vanguard-ETFs mit 0,07 % und 0,08 % Kostenquote; keine eigenen Abschlussgebühren oder Provisionen geplant Angabe Stand September 2026
flatex Produktkosten zunächst erstattet; ab dem 6. Jahr höchstens 0,07 % Erstattungsphase befristet
ING Noch keine Kosten genannt; Warteliste 50 € Startbonus bei Eintrag bis 30.11.2026 und Depoteröffnung bis 15.02.2027

Die Tabelle zeigt vor allem eines: „Kostenlos“ ist nicht gleich „dauerhaft kostenlos“. Bei Scalable und Smartbroker+ ist die Erstattung zeitlich begrenzt, bei Trade Republic ist sie ein Versprechen ohne Enddatum. Bei allen sind Kostenzusagen keine Garantien. Wer 37 Jahre spart, sollte deshalb weniger auf die Kosten im ersten Jahr schauen als auf die Frage, was nach Ende der Aktionsphase gilt und ob die Preise vertraglich festgeschrieben sind.

Worauf du bei der Anbieterwahl achten solltest

Prüfe erstens die Gesamtkosten (Depot, Fonds, Ein- und Auszahlungen, Zulagenverwaltung), zweitens die Befristung von Erstattungen, drittens Bedingungen wie Mindesttrades oder Volumengrenzen, und viertens die Auswahl im Standarddepot. Wer zwei Vanguard-ETFs bekommt, hat ein anderes Produkt als jemand mit einem Deka-ETF. Auch ein Blick auf unsere Übersicht lohnt sich: Im Depot-Vergleich findest du Anbieter und Konditionen für normale Wertpapierdepots, die du auch ohne Förderung nutzen kannst.

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Frühstart-Rente: 10 € pro Monat für jedes Kind

Die Frühstart-Rente ergänzt das Altersvorsorgedepot für Kinder. Der Bundestag hat sie am 16.10.2026 in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung beschlossen. Sie ist ein Zustimmungsgesetz, und bis zum 20.10.2026 lag die Zustimmung des Bundesrats nicht vor. Nach Zustimmung und Verkündung soll sie im Wesentlichen am 1.1.2027 in Kraft treten. Änderungen im weiteren Verfahren sind noch möglich. Schau also vor dem Handeln auf den aktuellen Stand.

Gefördert werden Kinder von 6 bis 18 Jahren mit 10 € pro Monat, insgesamt zahlt der Staat 1.440 € ein (12 Jahre × 120 €). Gestartet wird mit dem Geburtsjahrgang 2020, die Einzahlungen gelten rückwirkend ab Januar 2026. Je nach Quelle starten zunächst die Jahrgänge 2020 oder 2020/2021, hier gibt es noch Unklarheiten. Eltern, Großeltern oder Dritte können bis zu 6.840 € pro Jahr zusätzlich einzahlen. Die Kosten sind auf maximal 1 % Effektivkosten pro Jahr gedeckelt, bis zum 18. Lebensjahr fallen keine Abschlusskosten an. Das Kapital kann bis zum 35. Geburtstag in private Altersvorsorgeverträge übertragen werden und wird frühestens mit 65 ausgezahlt.

Was die Rechenbeispiele des BMF bedeuten

Das Bundesfinanzministerium rechnet vor: Aus der staatlichen Förderung allein entstehen bis zur Volljährigkeit rund 2.200 € Depotwert. Bis zum Renteneintritt sollen daraus ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 € werden, mit 10 € Elternbeitrag pro Monat rund 107.000 €. Die Annahmen dieser Rechnung (etwa Rendite und Kosten) liegen uns nicht vor. Sie ist deshalb ein Anhaltspunkt für die Größenordnung, keine Prognose. Je höher die unterstellte Rendite und je länger die Laufzeit, desto größer das Ergebnis.

Was Eltern und Großeltern jetzt wissen müssen

Passende Depots gibt es erst ab dem 1.1.2027. Ein bestehendes Junior- oder Kinderdepot lässt sich nicht umwidmen. Eröffnen Eltern kein Depot, legt die Bundesbank die Förderung im Kollektiv an. Der Bundesrat verlangt Erleichterungen für Kinder, deren Eltern keinen Vertrag abgeschlossen haben: Ihnen soll ab 18 ein Standarddepot in öffentlicher Trägerschaft angeboten werden, sonst verfällt das Vermögen, wenn es nicht rechtzeitig in einen Altersvorsorgevertrag überführt wird. Details zur Umsetzung, etwa zur Meldung über die ZfA und zu Verfallsregeln, sind noch nicht geklärt.

Rechenbeispiel Großeltern: Wenn Großeltern pro Monat 50 € zusätzlich zur staatlichen Förderung von 10 € einzahlen, sind das 600 € im Jahr, also 7.200 € über 12 Jahre, plus 1.440 € vom Staat. Die Kostenbelastung hängt vom Anbieter ab. Der Deckel liegt bei 1 % jährlich. Das Geld ist bis ins Rentenalter gebunden.

Was bedeutet das für Selbstständige und Freelancer?

Für Selbstständige ist die Reform die größte Neuerung. Erstmals sind Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherungspflicht sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke förderberechtigt. Die Grundzulage beträgt auch für sie maximal 540 €. Bei Riester hatten viele Freiberufler keinen Zugang. Laut einer Sekundärquelle, die sich auf die BMF-FAQ und § 10a EStG n. F. stützt, sind Selbstständige mit Einkünften nach § 15 oder § 18 EStG förderberechtigt, wenn sie eine Steuererklärung für das Beitragsjahr abgeben und noch nicht 67 sind. Wir haben diese Details nicht am Gesetzestext geprüft. Kläre sie vor dem Abschluss mit Steuerberater oder Anbieter.

Hinzu kommt der Steuereffekt. Rechenbeispiel einer Freiberuflerin mit 42 % Grenzsteuersatz (ohne Soli und Kirchensteuer): Sie zahlt 1.800 € ein und erhält 540 € Grundzulage. Abziehbar sind 2.340 €, das spart 982,80 € Steuern (2.340 € × 42 %). Weil die Zulage schon bezahlt wurde, erstattet das Finanzamt zusätzlich 442,80 € (982,80 € − 540 €). Die Gesamtförderung beträgt 982,80 € auf 1.800 € Eigenbeitrag, also 54,6 %. Die Rechnung stammt aus einer Aufbereitung nach § 10a EStG und gilt nur unter den genannten Annahmen.

  • Vorteil: Hohe Förderquote bei hohem Steuersatz, kein Zugang über Arbeitgeber nötig.
  • Nachteil: Das Geld ist bis mindestens 65 gebunden, was bei schwankenden Einnahmen ein Liquiditätsrisiko sein kann. Halte deshalb zuerst eine Reserve vor, etwa auf einem Konto aus dem Tagesgeld-Vergleich.
  • Offen: Mindestbeitrag ist 120 € pro Jahr. Wie flexibel Anbieter Einzahlungen im Jahresverlauf erlauben, solltest du je Anbieter prüfen.

Steuern und Auszahlung: Was später passiert

In der Ansparphase werden Erträge und Wertsteigerungen nicht besteuert, es gibt also keine jährliche Vorabpauschale. Die Besteuerung erfolgt nachgelagert in der Auszahlungsphase mit dem persönlichen Einkommensteuersatz. Das ist vorteilhaft, wenn dein Steuersatz im Alter niedriger ist als heute. Bei hohen Renteneinkünften kann der Vorteil schrumpfen. Die Steuererklärung bleibt daher auch im Ruhestand relevant.

Ausgezahlt wird frühestens ab 65. Möglich sind ein Auszahlplan bis mindestens zum Alter 85, eine lebenslange Rente oder eine Kombination mit 30 % Einmalzahlung. Das heißt: Du kannst nicht alles auf einmal entnehmen, sondern musst einen Teil über Jahre verteilen. Das schützt vor Verbrauch, schränkt aber die Flexibilität ein. Plane daher große Anschaffungen nicht mit diesem Geld.

Ein weiterer Baustein ist ein öffentlich organisiertes Standarddepot. Die Bundesregierung ist ermächtigt, per Rechtsverordnung ein Standarddepot eines öffentlichen Trägers einzuführen. Es soll als Alternative zu privaten Produkten allen Zulageberechtigten offenstehen. Wie es ausgestaltet wird, ist offen.

Alternativen und Einordnung: Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot lohnt sich vor allem für Menschen, die langfristig sparen wollen, das Geld nicht vor 65 brauchen und die Zulage mitnehmen möchten. Für Geringverdiener und Familien ist die Förderquote hoch. Für Gutverdiener und Selbstständige kommt der Steuervorteil hinzu. Auch kleine Beträge von 10 € im Monat bringen wegen der Staffelung eine hohe Quote.

Weniger geeignet ist es, wenn du flexibel auf dein Geld zugreifen musst oder keinen Zugang zu den Zulagen hast. Dann kann ein normales Wertpapierdepot mit ETF-Sparplan sinnvoller sein. Dort bist du jederzeit liquide, bekommst aber keine Zulage, und Erträge werden nach den üblichen Regeln besteuert. Wer Sicherheit statt Rendite sucht, kann ergänzend Festgeld nutzen, wird damit aber keine vergleichbare Förderung erhalten.

Option Förderung Flexibilität Kostenrahmen
Altersvorsorgedepot (Standarddepot) Zulagen bis 540 € plus ggf. Kinderzulage und Steuerabzug Gebunden bis mindestens 65 Deckel 1 % p. a.
Riester (Bestand) Bisher max. 175 € Grundzulage Gebunden Typisch 1,5–2,5 % p. a.
Normales ETF-Depot Keine Jederzeit verfügbar Je nach Anbieter

Die Tabelle zeigt, dass der Hauptnachteil des Altersvorsorgedepots die Bindung ist. Der Hauptvorteil ist die Zulage. Wer beides will, kann kombinieren: erst den Notgroschen, dann das geförderte Depot, danach ein freies Depot für Ziele vor 65.

So gehst du vor: Schritte und häufige Fehler

Schritt für Schritt

  1. Klären, ob du förderberechtigt bist: Als Angestellte oder Beamte ja, als Selbstständige nach den oben genannten Kriterien, die du prüfen solltest.
  2. Bestehende Verträge sichten: Gibt es einen Riester-Vertrag? Dann zuerst Kosten und Wechselbedingungen erfragen.
  3. Einzahlung festlegen: Für die volle Grundzulage sind 1.800 € im Jahr nötig, das sind 150 € im Monat. Für die Mindestförderung reichen 120 € im Jahr.
  4. Anbieter vergleichen: Gesamtkosten, Befristungen, Bedingungen und ETF-Auswahl prüfen. Vergleiche vorab im Depot-Vergleich.
  5. Kinder berücksichtigen: Für die Frühstart-Rente ab 2027 ein passendes Depot einplanen. Ein bestehendes Junior-Depot kann nicht umgewidmet werden.
  6. Ab 1.1.2027 eröffnen und Dauerauftrag einrichten. Bei der ING gilt für den Startbonus: Eintrag bis 30.11.2026, Depot bis 15.02.2027.

Häufige Fehler

  • Nur auf „kostenlos“ achten: Befristete Erstattungen laufen aus. Entscheidend sind die Kosten nach der Aktionsphase.
  • Den Deckel falsch verstehen: Die 1 % gelten nur im Standarddepot. Individualprodukte, etwa die aktiv gemanagte Deka-Variante mit 1,0–1,5 %, können darüber liegen.
  • Riester vorschnell kündigen: Prüfe erst die Bedingungen, bevor du wechselst.
  • Zu viel binden: Das Geld ist bis mindestens 65 nicht frei verfügbar. Halte eine Liquiditätsreserve.
  • Beispielrechnungen als Prognose lesen: Die Ergebnisse von Finanztip, ING und BMF beruhen auf unterschiedlichen Annahmen (Rendite 5–7 %, 30–40 Jahre) und sind keine Garantien.
  • Frühstart-Rente fest einplanen: Solange der Bundesrat nicht zugestimmt hat, können sich Details ändern.

Fazit: Das solltest du jetzt tun

Das Altersvorsorgedepot ist eine echte Verbesserung gegenüber Riester: höhere Zulagen, ein gesetzlicher Kostendeckel im Standarddepot und Zugang für Selbstständige. Gleichzeitig bleibt es ein gebundenes Produkt, dessen Ergebnis von Kosten, Rendite und deiner Disziplin über Jahrzehnte abhängt. Unser Rat: Vergleiche nüchtern und achte vor allem auf niedrige Kosten, die dauerhaft gesichert sind.

Deine nächsten Schritte: Prüfe deine Förderberechtigung, rechne deine Zulage (bis 540 € bei 1.800 € Eigenbeitrag), trage dich bei Interesse vorab bei Anbietern ein und eröffne ab 1.1.2027 dein Depot. Beobachte, ob der Bundesrat der Frühstart-Rente zustimmt, und plane für Kinder ein neues Depot. Für Fragen zu deiner persönlichen Steuer- oder Rentensituation sprich bitte mit einer Steuerberaterin, einem Rentenberater oder der Verbraucherzentrale. Dieser Artikel ersetzt keine Einzelfallberatung.

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Häufige Fragen

Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?

Frühestens ab dem 1.1.2027. Das Altersvorsorgereformgesetz wurde am 29.05.2026 verkündet, startet aber zum Jahreswechsel. Einige Anbieter führen vorab Wartelisten, etwa die ING mit 50 € Startbonus bei Eintrag bis 30.11.2026 und Depoteröffnung bis 15.02.2027.

Wie viel muss ich mindestens einzahlen, um die Zulage zu bekommen?

Mindestens 120 € pro Jahr, also 10 € im Monat. Dafür gibt es 50 % Zulage, also 60 € im Jahr. Die volle Grundzulage von 540 € erreichst du bei 1.800 € Eigenbeitrag.

Kann ich das bestehende Junior-Depot meines Kindes für die Frühstart-Rente nutzen?

Nein, laut aktuellem Stand lässt sich ein bestehendes Junior- oder Kinderdepot nicht umwidmen. Passende Depots gibt es erst ab dem 1.1.2027. Eröffnen Eltern keines, legt die Bundesbank die Förderung im Kollektiv an.

Gilt der Kostendeckel von 1 % für jedes Depot?

Nein. Der Deckel gilt nur für das Standarddepot und schließt die Kosten von Fonds und ETFs ein. Freie Depots, Individual- und Garantieprodukte dürfen teurer sein, etwa das aktiv gemanagte Deka-Produkt mit 1,0 bis 1,5 %.

Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge laufen laut Sekundärquellen weiter, ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot gilt als möglich. Die genauen Bedingungen haben wir nicht am Gesetzestext geprüft. Frage vor einer Kündigung bei deinem Anbieter Kosten und Verluste schriftlich an.

Stand: 25.10.2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Finclare arbeitet redaktionell unabhängig.

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